Naturkosmetik – Was steckt dahinter?

Wer auf Chemikalien im Shampoo oder Deo verzichten möchte, bekommt nun auch im Handel Alternativen geboten. Naturkosmetik wir immer beliebter und füllt ganze Regale. Doch welchen Kriterien unterliegt Naturkosmetik eigentlich?

DSC00494Naturkosmetika unterliegen wie alle Kosmetikprodukte dem europäischen Kosmetikrecht. Für den Begriff „Naturkosmetik“ gibt es in Europa jedoch keine einheitliche gesetzliche Definition. Dennoch verzichtet Naturkosmetik auf einige schädliche Inhaltsstoffe wie Parabene, Silikone, PEG Polyethylenglykol, Paraffine, Erdölderivate und synthetische Duftstoffe. Da der Begriff jedoch nicht geschützt ist, können sich hinter „Naturkosmetik“ Produkte ganz unterschiedlicher Qualität verstecken: Von ethisch hergestellten Mitteln aus biologisch zertifizierten Inhaltsstoffen bis hin zu Produkten mit einem Minimalanteil natürlicher Rohstoffe.

Auch heißt Naturkosmetik nicht gleich Biokosmetik oder Fair Trade. Und ebenso unterliegt die Verpackung keinen Richtlinien. Sie muss daher nicht nachhaltig, aus reycelbaren Material und ohne Plastik, sein.

In Österreich bildet das Codexkapitel B 33 die Grundlage für die Definition von Naturkosmetik. Dieser Codex hat nicht die gleiche rechtliche Bedeutung wie ein Gesetzt oder eine Verordnung, aber spiegelt die Verbrauchererwartung eines Landes wider. Ein Gütersiegel für eine Vereinheitlichung auf Bundesebene ist in Arbeit.
Zusätzlich gibt es eine große Menge an privatrechtlichen Naturkosmetik-Gütersiegeln. Einige gängige Naturkosmetik-Siegel sind zum Beispiel NaTrue, BDIH (Kontrollierte Naturkosmetik) oder Ecocert. Aber auch hier sind die Kriterien von Siegel zu Siegel sehr unterschiedlich und reichen von Richtlinen, nach denen nur 50% der Inhaltsstoffe aus biologischem Landbau stammen, bis hin zu Siegeln die 95% vorschreiben.

Naturkosmetik ist ein großer und wachsender Markt. Das führt nicht selten dazu, dass Greenwashing betrieben wird. Wer ganz genau wissen möchte, was in seinen und ihren Pflegeprodukten steckt, sollte sich die INCI Liste auf der Verpackung anschauen. Auf der INCI Liste (Abkürzung für International Nomenclature of Cosmetics Ingredients) sind alle Inhaltsstoffe, in abnehmender Reihenfolge ihres Anteils am Produkt, aufgelistet. Stoffe die unter einem Prozent liegen, müssen allerdings nicht in der INCI-Liste angeführt werden.

Als kleine Einkaufshilfe, können Sie eine einfache Vorauswahl auch treffen, indem Sie auf diese Merkmale schauen:

  • Weniger ist mehr: Umso mehr Inhaltsstoffe heißt nicht umso besser. Wenige Inhaltsstoffe sind oft ein Indikator dafür, dass nur die wesentlichen, wirklich für die Hautpflege wirksamen Stoffe enthalten sind.
  • Das kommt mir Spanisch vor: Manche Hersteller*innen übersetzen mittlerweile die Inhaltsstoffe und setzten hinter der INCI-Liste die gebräuchliche Bezeichnung in Klammern, zum Beispiel: Juglan Regia (Walnuss).
  • Klein aber Fein: Verpackungsmüll kann reduziert werden. Achten Sie auf Glasflaschen, wenig Verpackung und Recyclematerial.

Natürlich garantiert das nicht eine 100%ige ökologische und chemiefreie Körperpflege. Wer auf Nummer sicher gehen will, der muss zum Selbermachen greifen

Rezepte zum Nachmachen gibt es in diesem Artikel

Mehr zur INCI Liste und Apps die helfen sie auch für Laien lesbar zu machen, finden Sie in diesem Artikel.

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